Wollkämme

Immer wieder faszinierend finde ich die Verarbeitung von der geschorenen Wolle zu einem fertigen Kleidungsstück. Ich habe dann immer so ein wenig das Gefühl, ich könnte auch ohne die industrielle Produktion von Kleidung zurechtkommen. Ähnlich unabhängig wie ein Selbstversorgergarten inklusive entsprechender Vorratshaltung einen machen würde, den ich auch gerne hätte. Die Wollbearbeitung mit den englischen Wollkämmen bereitet die Wolle zum Spinnen wunderbar vor.

Schon im Januar 2015 war ich bei Gabriele zur Schur ihrer Schafe. Gabriele hat Zwartbles Schafe, sie sind dunkelbraun und haben eine schöne Wolle. Ein Bild von der Schur habe ich auch noch gefunden:

Ein Schaf wird sitzend geschoren

Seit einigen Wochen bin ich stolze Besitzerin englischer Wollkämme. Das sind ziemlich martialische Geräte, die sehr lange scharfe Nägel haben, jeder Fakir hätte seine Freude daran. In die Wollkämme werden die Locken eingehängt und in mehrerern Gängen ausgekämmt. Ich habe das Vlies einmal vorsichtig gewaschen, damit die Struktur weitestgehend erhalten bleibt. Dann kann man die Locken einfacher in den Wollkamm einhängen.

Locken aus dem Vlies sind in den Kamm eingehängt

Der große Vorteil gegenüber dem Kardieren: Alle kurzen Fasern werden so ausgekämmt. Damit bekommt man wunderbar saubere und langfaserige Kammzüge. Nach dem Kämmen wird die Wolle von den Wollkämmen durch eine sogenannte Diss gezogen, das ist ein Stück Muschel, Plastik, eine Münze oder ein Knopf, Hauptsache es ist ein Loch in der Mitte, mit der die Fasern zunächst gebündelt und dann durchgezogen werden.
Damit stellt man sich die Kammzüge her, die dann bereit zum Verspinnen sind:

dunkelbraune Kammzüge liegen in einem Korb

Gesponnen habe ich die Wolle mit dem Lendrum, verzwirnt ebenfalls:

 Spinnradspule mit brauner Wolle

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich. Das Garn ist relativ voluminös, da die Wolle sehr kleine Löckchen hat, dadurch bauscht es nach dem Waschen nochmal schön auf:

Strang dunkelbrauner Wolle

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